ejz 080908Besonderen Anteil am Unternehmen Wendland-Lexikon haben: Susanne Miest (von links), Kreisarchivar Wolfgang Jürries, Gerhard Gersema von der Druck- und Verlagsgesellschaft Köhring GmbH & Co. KG sowie Martin Krüger (von rechts). Prof. Dr. Hansjörg Küster, der Präsident des Niedersächsischen Heimatbundes, würdigte als Gastredner auf dem Künstlerhof Schreyahn die besondere Leistung, ein solches Regional-Lexikon herzustellen.

»Unschätzbarer ideeller Wert«

dm Lüchow. Schon über das erste Stichwort im zweiten Band des Wendland-Lexikons wird man in keinem anderen Nachschlagewerk einen Eintrag finden. Die Erläuterungen zum Dorf Laasche unterstreichen bereits das Besondere dieses Werkes und die beispiellose Leistung der vielen Personen, die an diesem heimatkundlichen Monumentalwerk gearbeitet haben.

Trotz der Breite des Ansatzes hat der vielköpfige Redaktionsstab keine Abstriche beim Umfang, insbesondere des Ortsregisters, gemacht. Am Sonnabend haben der Heimatkundliche Arbeitskreis und der Verlag Köhring das 640 Seiten starke »Wendland-Lexikon Band 2 L-Z« auf dem Künstlerhof in Schreyahn präsentiert. Bis zum letzten Eintrag über das Zwitscher-Heupferd wird die Heimatkunde zum Landkreis Lüchow-Dannenberg umfassend in über 1000 Stichwörtern dargestellt. Auch die 880 Karten und Abbildungen sowie 39 Tabellen tragen dazu bei, dass der zweite Band 50 Prozent umfangreicher ist als der vor acht Jahren erschienene erste Band A-K. Wer etwas über Lüchow-Dannenberg wissen möchte, der wird künftig im Wendland-Lexikon nachschlagen.

Der Kreisarchivar und Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeitskreises Wolfgang Jürries blickte als Herausgeber auf die 25-jährige Arbeit, von der nur acht Jahre auf den zweiten Band entfielen, am Gesamtwerk zurück. Jürries dankte den vielen Autoren, Mitarbeitern und Helfern, die über viele Jahre an dem Vorhaben fast ausschließlich ehrenamtlich mitgewirkt haben: »Ohne dieses Engagement wäre das Lexikon niemals zustande gekommen.« Er stellte auch die Hilfe vieler Institutionen heraus.

Jürries erinnerte an Dr. Berndt Wachter, den Initiator des Projektes, der bereits die Fertigstellung des ersten Bandes nicht mehr miterlebt hat. Der Herausgeber hob zudem den besonderen Anteil von Paul-Friedrich Miest hervor, der alleine 272 der über 1000 Stichwörter bearbeitet hat. »Es ist sehr schade, dass Paul-Friedrich Miest diesen zweiten Band nicht mehr erlebt hat.« Zum Dank widmete Jürries den zweiten Band dem vor ein paar Jahren verstorbenen Heimatforscher. Der Herausgeber würdigte auch den Beitrag von Martin Krüger, der sich um den Korrekturabgleich gekümmert und die Organisationsdaten des Lexikons geführt hat.

Ein Vierteljahrhundert hat der Verlag Köhring mit Unterbrechungen am Wendland-Lexikon gearbeitet, blickte Gerhard Gersema, der technische Leiter des Unternehmens, zurück. Er dankte vor allem den Mediengestalterinnen Daniela Bleck und Yasmin Munder. 5,9 Tonnen Papier, 540 Quadratmeter Leinen für den Einband sowie 37,2 Kilometer Zwirn für die Fadenheftung sind für die 3000 gedruckten Exemplare des zweiten Bandes verarbeitet worden, berichtete Gersema. Der Landkreis hat das Werk unter vier verschiedenen Verwaltungschefs unterstützt. Auch das Land Niedersachsen und der Lüneburgische Landschaftsverband haben die Arbeiten finanziell gefördert.

Ein Lob für die jahrzehntelange Arbeit und deren Ergebnis hörten die vielen Mitwirkenden von Prof. Dr. Hansjörg Küster, dem Präsidenten des Niedersächsischen Heimatbundes. Er habe das Projekt Wendland-Lexikon stets bewundert, weil darin sehr viele Wissensgebiete von zahlreichen verschiedenen Autoren zusammengefasst wurden: »Es war klar, dass es viele Jahre dauern würde.« Professor Küster stellte die besondere Bedeutung des Wissens über die Heimat für die Integration neuer Mitbürger heraus. Landrat Jürgen Schulz bezeichnete das Wendland-Lexikon als Monumentalwerk von »unschätzbarem ideellen Wert«, dessen Bedeutung erst in ein paar Jahrzehnten ermessen werden könne. Axel Kahrs, Leiter der Stipendiatenstätte, zog sogar einen Vergleich mit Denis Diderots »Encyclopédie« aus dem 18. Jahrhundert, deren Fertigstellung noch mühsamer gewesen sei als die des Wendland-Lexikons. Kahrs würdigte die Arbeit von Herausgeber Wolfgang Jürries mit einem ganz besonderen Geschenk: der von der ehemaligen Stipendiatin Annette Selg zusammengestellten Auswahlausgabe der »Encyclopédie«.

Elbe-Jeetzel-Zeitung vom 08. September 2008